Die Rache des Sidhe
Nachdem
die Elfenaufstände blutig niedergeschlagen wurde, haben es Sidhe nicht leicht –
zumeist zu einem Leben als Sklaven verdammt, werden sie von den meisten Menschen
gehasst und ob ihrer Fähigkeiten verachtet. In einer solchen Welt wächst der
junge Sidhe Silvo auf. Seine Familie wurde vor seinen Augen niedergemetzelt, er
selbst fand bei einem fahrenden Händler Zuflucht, der ihn jedoch an ein Bordell
verkaufte, als Silvo zwölf war. Seitdem hält nur noch sein Wunsch nach Rache den
jungen Sidhe am Leben.
Als er sich endlich an das Gesicht des Mörders erinnert,
setzt Silvo alles daran, den Weißen Reiter zu finden, der seine Familie
abgeschlachtet hat. Er findet ihn in Joran, der jedoch weder brutal, noch
kaltherzig ist und der keinerlei Interesse daran hat, den Sidhe zu töten, obwohl
er dazu in der Lage wäre. Stattdessen nimmt er Silvo mit sich zur Waldfeste, und
beschwört damit unabsichtlich einiges an Ärger heraus …
Mit „Die Rache des Sidhe“ legt Leann Porter ihren
Debütroman vor und entführt den Leser in eine fantastische Welt, in der Elfen
keinerlei Recht mehr besitzen und mit Hass und Verachtung konfrontiert werden.
Die Geschichte ist wesentlich verzweigter und komplexer,
als es auf den ersten Blick scheint, was dem Buch eine eigene Spannung und
Dynamik beschert. Die Autorin beschränkt sich nicht nur auf die Beziehung
zwischen Joran und Silvo, sondern entspinnt auch einige zusätzliche
Handlungsbögen. Leider verlieren sich einige Fäden und enden relativ offen,
andere führt Leann Porter weiter und baut sie in die Handlung ein. Leider
gibt es trotzdem einige Logiklücken und Punkte, an denen der Leser dem Geschehen
nur noch schwer folgen kann. Zumeist ist das durch die Figuren und ihre Aktionen
bedingt, die oftmals nicht nachvollziehbar sind. Gerade Silvo tut Dinge, die er
als Fehler einschätzt und bei denen er weiß, wie gefährlich sie für ihn sein
könnten. Dadurch wirkt die Geschichte an einigen Stellen ein wenig konstruiert,
einige Passagen künstlich aneinandergereiht, um die Handlung voranzutreiben. Das
fällt ganz besonders bei der sich entwickelnden Beziehung zwischen Joran und
Silvo aus – hier ist der junge Sidhe so sprunghaft dargestellt, dass man als
Leser ab einem gewissen Punkt nicht mehr weiß, warum er sich überhaupt auf Joran
einlässt. Schade ist außerdem, dass die Welt als solche ein wenig blass
bleibt. Es werde einige Orte erwähnt, die grobe Topographie ist ebenfalls klar,
aber es fehlt einiges, um die Fantasywelt lebendig zu machen. Das mag unter
anderem an der Länge des Buches liegen, das mit knapp 200 Seiten eher kurz
ausgefallen ist. Ausführlichere Beschreibungen und weitere Details zu den
Elfenaufständen hätten dem Buch insgesamt gut getan.
Nichtsdestotrotz sind die Charaktere sympathisch und
liebenswert. Silvo ist ein echtes Schlitzohr, eine Mischung aus Spitzel, Dieb
und Bordellsklave. Auch wenn man einige seiner Aktionen nur schwer
nachvollziehen kann, schließt man ihn schnell ins Herz und fiebert mit ihm mit.
Sein Konterpart Joran ist ebenfalls ein interessanter Charakter, wenngleich ein
wenig blasser, als Silvo. In einigen Punkten ist er zu gutgläubig und geht zu
leichtherzig durch die Welt, wenn man bedenkt, was er alles erlebt hat. Ihm
fehlt ein wenig Tiefgang, um ihn besser zu verstehen. Neben den beiden
Hauptfiguren führt Leann Porter einige interessante Nebencharaktere ein, die
Silvo und Joran fast schon den Rang ablaufen – allen voran der Anführer der
fahrenden Händler Damian und Kapitän Drago, der in vielerlei Hinsicht für
Spannung und einige interessante Wendungen sorgt. Es ist schade, dass man nicht
mehr zu den beiden erfährt – sie bieten Potenzial für eigenständige Geschichten.
Stilistisch legt Leann Porter ein beeindruckendes Debüt
vor. Sie hat einen sehr schönen, ausgereiften und detailverliebten Stil, der
schon auf den ersten Seiten zu fesseln weiß. Egal ob es sich um Kampfszenen,
Umgebungsbeschreibungen oder erotische Passagen handelt, die Autorin weiß mit
Worten umzugehen. Teilweise hätte es ruhig mehr sein können, um die Welt
plastischer zu gestalten, doch Leann Porter vermag auch mit wenigen Worten eine
Menge auszudrücken. Es bleibt zu hoffen, dass sie für folgende Romanprojekte
mehr Seiten aufwendet, insbesondere wenn es um einen Fantasy geht.
„Die Rache des Sidhe“ ist ein schöner, gut geschriebener
Debütroman, der durch sympathische Charaktere und einen flüssigen Schreibstil
punktet. Leider gibt es einige unschöne Logiklöcher, die das Lesevergnügen
hemmen und dafür sorgen, dass die Handlung künstlich vorangetrieben wird.
Nichtsdestotrotz macht es Spaß Silvo und Joran zu begleiten und ihren
gemeinsamen Weg mitzuverfolgen. Wer homoerotische Fantasy mag, und über den ein
oder anderen Schnitzen hinwegsehen kann, sollte einen Blick riskieren.
Titel:
|
Die
Rache des Sidhe |
Autor: |
Leann Porter |
Genre: |
Fantasy, Romance,
Action |
Verlag: |
Dead Soft Verlag, 2014 |
Preis: |
11,99 Euro |
ISBN: |
978-3944737348 |
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Bildcopyright:
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